Eröffnung Köcherausstellung im Bürgerzentrum

By 9. Juni 2018 News

Foto: Urschelstiftung

Natur und Heimat in Kunst vereint

Von Jacqueline Geisel 04.06.2018 – 16:52 Uhr

Alle Stühle besetzt, zahlreiche Stehplätze in Anspruch genommen: Der Andrang bei der Eröffnung der Egon-Köcher-Ausstellung zeigte deutlich, wie groß das Interesse an dem Nagolder Künstler ist.

Im Nagolder Bürgerzentrum fand die Auftaktveranstaltung der dreiteiligen Ausstellung statt. Etwa 100 Menschen waren dafür gekommen. Dank der hinführenden Worte einiger Beteiligter, lernten die Vernissagebesucher den 1993 verstorbenen Hobbykünstler ein Stück weit kennen, ehe sie beim anschließenden Stehempfang einen ersten Teil seiner Werke bestaunten.

Köchers Tochter Eva Stengel erzählte von ihrem Vater, wie sie ihn kennengelernt und wahrgenommen hatte. Was für ihn „Kunst – Natur – Heimat“, die drei Begriffe, die das Motto der Ausstellung bilden, bedeuteten. Der spätere Tierarzt wuchs an der Nagold auf. „Das war die Geburtsstunde seiner Begeisterung für die Natur“, erklärte Stengel.

Welchen Stellenwert die Heimat für ihn hatte, zeigt, dass er trotz mehrerer Jobangebote nach Nagold zurückkehrte. Zwischenzeitlich hatte Köcher seine Schulzeit in Stuttgart verlebt, in München Biologie und Tiermedizin studiert und in Wildberg als Veterinär praktiziert.

In seiner Kunst, so Eva Stengel, habe ihr Vater Trost und Zuflucht gefunden. Als Naturschützer sei er nämlich oft gegen Wände gelaufen.

„Möge die Ausstellung zu einem Schub für eine neue Freundschaft und Partnerschaft mit immer noch vielen wildlebenden Tieren und Pflanzen in Nagold und seiner Umgebung führen.“ Das wünschte sich Peter Berthold, ein Freund von Egon Köcher, in seinem Grußwort, verlesen von Ilselore Wiedmann, Vorstandsmitglied der Urschelstiftung.

In Bertholds Worten wurde noch einmal deutlich, wie viel die Natur und ihr Schutz Egon Köcher bedeuteten und wie sehr sie auch seine Kunst beeinflussten. Er habe versucht, „Juwelen seiner Heimat wie vor allem die zahlreichen Erd­orchideenarten Nagolds“ denkmalartig als Bilder zu erhalten. „Er hat auch den von ihm innig geliebten Mitmenschen der ›guten alten Zeit‹ in köstlicher naiver Malerei ein bleibendes Denkmal gesetzt“, hieß es in dem Grußwort weiter.

Joachim Ploghöft, Kurator der Ausstellung, sprach von Köchers Talent, Leidenschaft und Aufrichtigkeit, wie er die Welt um sich herum betrachtete und die Kunst als ein Medium benutzte. Ploghöft beschrieb das Schaffen des Autodidakts, der sich ebenso auf wissenschaftliche, akribische Zeichnungen von Pflanzen wie Landschaftsaquarelle, Ölbilder und surreal wirkende Zeichnungen in Grau verstand.

Fast ausschließlich hat sich Köcher dabei mit der Nagolder Region befasst. „Es gibt keinen anderen Künstler, der von seiner Inspiration und seiner Motivik her Nagold so verbunden ist“, erklärte Rainer Prewo. Nagolds ehemaliger Oberbürgermeister initiierte die Dauerleihgabe der Köcherwerke an die Stadt.

Köcher war für Prewo der Künstler des hiesigen heimatlichen Raums. Er habe die Welt mit den Augen des Mediziners und Naturforschers, aber auch mit Sympathie gesehen. Was er mit seinen Sinnen aufnahm, hielt er in seiner Kunst fest.

„Ausstellungen dieser Art sind wichtig, weil sie identitätsstiftend sind“, befand Oberbürgermeister Jürgen Großmann. So würde eine neue Perspektive eröffnet, wie Menschen mit Heimat umgehen. Großmann zeigte sich dankbar für die Dauerleihgabe der Köcher-Werke an die Stadt Nagold. Auch der Urschelstiftung drückte Großmann seinen Dank dafür aus, dass sie die Werke für die Öffentlichkeit zugänglich macht und das Thema Kunst in ihr bürgerschaftliches Engagement einbezogen hat.

Eine gefühlvolle musikalische Begleitung der Veranstaltung lieferte Josua Schwab. Sein Auftritt wurde mit einigem Applaus belohnt.

Insgesamt werden mehr als 100 Werke Egon Köchers diesen Monat in Nagold ausgestellt, verteilt auf drei Räumlichkeiten. Jede setze eigene Akzente und biete ein eigenes Ambiente, so Rainer Prewo.

Neben dem Bürgerzentrum sind das die VHS Oberes Nagoldtal (Bahnhofstraße), wo die Ausstellung am Freitag, 8. Juni, um 19 Uhr eröffnet wird, sowie das Mindersbacher Bürgerhaus. Dort findet die Eröffnung am Sonntag, 10. Juni, um 14 Uhr statt.

Am Donnerstag, 14. Juni, wird es außerdem eine Lesung rund um Egon Köcher im Nagolder Bürgerzentrum geben. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr.